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Mixtape der Woche

30. Juli 2026, 19:52 Uhr von Uwe

Hitze! Feuer! Brennen! Gut, wir steigen diese Woche direkt in den innersten Kreis der Hölle ein, und zumindest rein temperaturtechnisch ist Sachsen-Anhalt auch die Hölle (heute 39.7 Grad in Bernburg und damit Spitzenreiter in Deutschland). Im Süden der Republik beginnen morgen bei ungefähr 30 Grad die Sommerferien, während im hohen Norden die Fraktion der Schwarzshirtträger über Äcker latscht, im Matsch versackt (dieses Jahr eher weniger) und sich dann vor den Tribünen einfindet, um den zarten Klängen verzerrter Gitarren zu lauschen: Wacken steht wieder mal an.

Mir ist das ja a) alles zu groß und b) eh zu weit weg und c) gibt es livestreaming. Da gönne ich mir nachher Savatage und trinke dazu eisgekühlte Getränke. Soviel zum Plan, und in diesem Zusammenhang sind wir dann auch beim Mixtape der Woche. Thema diesmal: Live on Stage, denn da gibt es so einige Sachen, die im Studio eher so „och naja, nicht ganz schlecht“ und live „geht ab wie Schmidt’s Katze“ einsortiert werden. Andere Songs waren im Studio schon der Knaller, wurden aber live dann auf die eine oder andere Art noch weiter aufgewertet.

Led Zeppelin – Whole Lotta Love

Die Zeppeline waren live in den frühen 70er Jahren eine Macht. Da wurde gegroovt und gejammt und der klassische Blues in seiner elektrifizierten Form gelebt. Der spacige Mittelteil des Songs wurde live mit einem Medley von Blues-Standards verziert, so dass daraus mal eben eine Jam-Session von 20 Minuten entstand. Nachzuhören auf dem 2003 erschienenen „How The West Was Won“ mit Liveaufnahmen von 1972.

Rainbow – Catch The Rainbow

Der Song aus dem Debütalbum von Rainbow von 1975 war eine eher schlafmützige Angelegenheit. Ein Jahr später trat die Band um Ritchie Blackmore und Ronnie James Dio mit runderneuertem Lineup an, so dass gerade Cozy Powell am Schlagzeug und Jimmy Bain am Bass für ungeheuer viel Druck sorgten. Darüber hinaus improvisierte Ritchie nach Lust und Laune. Das wurde auf dem Livealbum „On Stage“ festgehalten, welches aber rückblickend betrachtet gar nicht mal so gut ist, denn es wurde größtenteils in Japan aufgenommen, wo das Publikum vergleichsweise verhalten reagierte. Die wahre Magie fand in Europa statt, und erst Jahrzehnte später – nämlich 2006 – wurden einige dieser Konzerte offiziell veröffentlicht (Live in Düsseldorf, Live in Köln – die Version ist hier verlinkt, Live in Nürnberg). Aus den reichlich sechs Minuten der Studiofassung wurden hier mehr als das doppelte, und die Art und Weise wie die Band nach dem ruhigen Mittelteil voll einsteigt ist einfach nur majestätisch.

Lynyrd Skynyrd – Freebird

„What song is it you wanna hear?“ „Freebird!“ Die Livefassung des Songs stammt vom 76’er Album „One More For The Road“ und ist das einzige Livedokument der Band, welches vor dem tragischen Flugzeugabsturz 1977 veröffentlicht wurde. Noch heute wird auf Konzerten in Amerika nach Freebird gerufen, egal wer da grade auf der Bühne steht. Die Art und Weise, wie der Song nach den ersten paar Minuten mit drei Gitarren Fahrt aufnimmt ist aber auch unwiderstehlich. Zum Vergleich gibt es noch das Video aus dem Oakland Coliseum von 1977 – da sieht man dann das Publikum auch entsprechend abgehen.

Blind Guardian – The Bard’s Song

Der Song war 1992 auf „Somewhere Far Beyond“ irgendwo als Lückenfüller zwischen ein paar härteren Nummern dazwischengerutscht und entwickelte danach ein Eigenleben. Live gibt es da nur akustische Gitarre, Hansi braucht auch nicht singen, das übernimmt das Publikum, und überhaupt ist das dann ein ziemlich magischer Moment. Jaja, das Album war schon Album der Woche (Live von 2003), deswegen passend zum Thema noch ein Video aus Wacken.

Die Ärzte – ♀ (Feminin)

Die drei Doktoren aus Berlin (aus Berlin!) machen live totales Chaos mit vielen dummen Sprüchen, bei denen die Musik gelegentlich zur Nebensache wird. Blödsinnige Ansagen, veränderte Texte, und manchmal wird auch einfach der ganze Song durch den Wolf gedreht. Hauptsache Spaß. Ein schönes Beispiel ist diese Version aus dem Album „Nach uns die Sintflut“ von 1988 mit ungefähr 2 Minuten Song, 7 Minuten Ansage an die kreischenden Mädels und die wütenden Jungs (warum musste Deutschland auch in der EM so doof spielen?) und dem abschließenden „fruchtbaren Dialog“.

Pink Floyd – Comfortably Numb

Das Livealbum „P.U.L.S.E“ von 1995, aufgenommen im Vorjahr, gilt bis heute als wegweisender Meilenstein, insbesondere in der audiovisuellen Variante. Die Lightshow setzte Maßstäbe und ist noch heute unerreicht, man spielte „Dark Side Of The Moon“ am Stück und haute dann im Zugabenblock nochmal alles rein. David Gilmour steht da mit Jeans und T-Shirt auf der Bühne und spielt ein Solo, welches viele als das beste Gitarrensolo aller Zeiten ansehen. Das muss man sich als Video reinziehen.

Iron Maiden – Fear Of The Dark

Die Albumversion des Songs aus dem gleichnamigen Album von 1992 war eher unspektakulär, wie auch das ganze Album eher mittelmäßig war. Bruce hatte Probleme mit der Stimme, der Mix war auch nicht mehr das, was er unter Martin Birch mal war, und so richtig spektakulär wurde der Song eigentlich erst live nach der Jahrtausendwende, so wie hier aus dem 2001 erschienenen „Rock In Rio“ – welches schon mal Album der Woche war, aber was solls. Das muss man sich eigentlich auch als Video (aus dem Album „En Vivo!“ von 2012) reinziehen.

Bonus:

Das möglicherweise beste Beispiel dafür, worum es bei einem Livekonzert geht, brachten Queen 1985 bei ihrem Live-Aid Auftritt auf den Punkt. 20 Minuten Zeit, sechs Welthits und Freddie dirigiert ein proppevolles Wembley-Stadion.

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